Erstorientierungskurse. Bericht einer Kollegin

Erstorientierungskurse für Asylbewerber*innen mit unklarer Bleibeperspektive (EOK) sind für solche Menschen, die wenig Chancen auf Asyl und auf einen Integrationskurs haben. Solange ihr Asylverfahren läuft, sollen sie sich in Deutschland zurechtfinden können.  Die Kurse umfassen 300 UE und enthalten auch Exkursionen. Das BAMF lässt die Kurse über die Länder in Projekten durchführen. 

In einem solchen Kurs habe ich unterrichtet. Unsere Teilnehmenden waren schon länger – alle mindestens ein Jahr – in Deutschland und warteten eigentlich auf einen Deutschkurs – das sollten wir aber ja gerade nicht machen. Deshalb waren viele TN frustriert und blieben wieder weg. 

Wir konnten viele Exkursionen machen, Fahrtkosten und Eintrittsgelder wurden übernommen. Das war sehr schön, kostet aber in der Vorbereitung viel (unbezahlte) Zeit.

Zum Glück hatten wir TN, die für die anderen übersetzt haben. Sonst wäre es gar nicht gegangen. Ich habe immer Material in den Sprachen der TN gesucht und damit gearbeitet, zum Straßenverkehr, zur Ernährung usw. gibt es viel – wenn man Zeit zum Suchen hat.

Es gibt 11 Module, davon darf ich aber nur 6 auswählen, um sie zu unterrichten. Mehr Infos gibt es im Curriculum. Tatsächlich  wollte ich aber auf alle Themen eingehen, um die Fragen der TN beantworten zu können. Noch ist der Aufbau des Kurses sehr starr, das wird sich aber hoffentlich in Zukunft ändern.

Allerdings ist die Gruppe mit 20 Personen zu groß für einen Besuch im Supermarkt oder auf der Bank. Maximal 10 TN können mich hören und meinen Erläuterungen folgen. Das wird sich wohl nicht ändern.

Die Stunden und das Geld hätte ich gern während oder nach einem Integrationskurs, um dann genug Sprache zur Verfügung zu haben, um die anspruchsvollen Themen zu meistern.

Grundsätzlich finde ich die Idee, einen Kurs vor dem IK zu haben, sehr gut. Der sollte aber dann direkt nach der Ankunft der Menschen angeboten werden .

(lm)