Handeln lohnt sich! Mail-Aktion und andere Aktivitäten der DaFZ-ler in Mainz

Nachdem sich gezeigt hatte, dass auch in Rheinland-Pfalz die freiberuflichen DaF/ DaZ-Lehrkräfte nicht von den Bundes- und Länderhilfen profitieren, haben Dozentinnen und -Dozenten der VHS Mainz in einer abgestimmten Mail-Aktion am 1.4. Hilferufe an kommunale Stellen und Politikerinnen und Politiker abgeschickt. Der Text der Mail ist weiter unten zu lesen und greift im Prinzip die wesentlichen Punkte auf, die schon von DaF/DaZ-Lehrkräften anderer Bundesländer an die jeweils zuständigen Stellen gerichtet wurden.

Außerdem hat ein Kollege ein Statement auf Video aufgenommen und auf YouTube gestellt. Derselbe Kollege war auch in der ARD-Extra-Sendung (ab Min. 5:35) zu sehen.

Die Resonanz auf die Mail-Aktion war im Großen und Ganzen ermutigend. Zwar gab es meist die Hinweise auf die bekannten Hilfsmöglichkeiten und das Eingeständnis, dass bei erfolglosen Anträgen nur ALG II bleibe, aber viele Rückmeldungen zeigten doch, dass unsere Situation wahrgenommen wird und nicht auf Gleichgültigkeit stößt.

Zusammen mit den Mails, Briefen und Aktionen der Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern scheint es möglich, dass die prekäre Situation unserer Berufsgruppe eine größere Aufmerksamkeit bekommt – und wir damit die Möglichkeit, diese unsäglichen Bedingungen endlich zum Besseren zu verändern. Auch wenn der derzeitige Anlass ein sehr trauriger ist.

 (ar)

Vorhergehende Aktivitäten

Die Diskussion um Solo-Selbstständige und Scheinselbstständigkeit ist schon länger im Gang und war auch öfter Thema in den Medien. Etliche VHS-en und andere Bildungsträger, die Angst hatten, von DozentInnen verklagt oder bei Prüfungen der DRV belangt zu werden, versuchten, sich durch verschiedene Maßnahmen abzusichern. An der VHS Mainz sah das so aus, dass letztes Jahr in der Sommerpause eine Rundmail verschickt, und den DozentInnen ohne Vorankündigung mitgeteilt wurde, dass in Zukunft die Kopierer nicht mehr benutzt werden könnten und benötigte Kopien 4 Wochen vorher in Auftrag gegeben werden müssten.

Die neue Regelung wurde zwar aufgrund des großen Protests nicht in dieser völlig praxisfernen Version beibehalten, aber die Vorboten einer veränderten Haltung gegenüber den VHS-Lehrkräften mehrten sich. Während neue Kolleginnen und Kollegen Lehraufträge bekamen, wurden langjährigen DozentInnen die Stundenkontingente gekürzt, mit dem Hinweis, es gebe nicht genügend Bedarf. Die DaF/DaZ-Lehrkräfte der VHS Mainz baten die Leitung in dieser Situation um ein Gespräch. Ein erstes Treffen kam sehr schnell nach den Sommerferien zustande, verlief positiv und weitere Gespräche und Diskussionen folgten, zum Teil mit der Leitung, zum Teil im Kollegenkreis.

In einem der Gespräche räumte die Leitung auf Nachfrage ein, dass alle Lehrkräfte in Zukunft nur noch maximal 20 Wochenstunden halten können, möglicherweise sogar weniger, um dem Vorwurf der Scheinselbstständigkeit aus dem Weg zu gehen. Die Leitung zeigte aber auch Verständnis für die schwierige Situation der Lehrkräfte und signalisierte, gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen zu wollen.

Ende November 2019 gab es dann durch die Vermittlung der Leitung ein Gespräch in der VHS Mainz, an dem der Oberbürgermeister Ebling, der Landtagsabgeordnete Klomann (SPD), die Leitung und Fachbereichsleitung der VHS sowie 5 Vertreterinnen der DaF/ DaZ-Lehrkräfte teilnahmen. Bei diesem Treffen stellten die fünf

Vertreterinnen ausführlich die Situation von freiberuflichen DaF/DaZ-Lehrkräften vor. Die beiden Politiker hörten interessiert und aufmerksam zu, und es war ihnen anzumerken, dass viele Punkte (die prekäre Beschäftigungsstruktur mit all ihren negativen Konsequenzen, die hohen Sozialabgaben, das geringe verbleibende Einkommen) ihnen so nicht bekannt bzw. nicht wirklich bewusst waren. Sie zeigten sich beeindruckt und überzeugt, dass sich etwas ändern müsse.

Ein weiteres Treffen wurde für Anfang 2020 vereinbart. Bei diesem Treffen sollten weitere Landtagsabgeordnete bzw. Verantwortliche aus dem Weiterbildungsbereich teilnehmen und die fünft Vertreterinnen sollten ihre Darstellung noch einmal präsentieren. Dieses Treffen kam leider bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie nicht zustande. Wir hoffen jedoch, dass wir bald an unsere Vorarbeit anknüpfen können und möchten alle freiberuflichen DozentInnen ermutigen, sich auch zu solidarisieren, zu vernetzen und mit möglichst vielen Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam können wir etwas bewirken!

(ar)

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