Aktion zum Weltlehrertag in Stuttgart: "Kein Gras über die Arbeitsbedingungen wachsen lassen!"

"Die Lehrenden, die wir brauchen, für die Bildung, die wir wollen: Die globale Notwendigkeit, den Lehrermangel zu beheben" so lautet das diesjährige Motto des Weltlehrendentages, welcher seit 1994 jedes Jahr feierlich begangen wird und von der UNESCO, der ILO (Internationale Abeitsorganisation) und der BI (Bildungsinternationale) ins Leben gerufen wurde. Dem ging 30 Jahre früher die Annahme der „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“ seitens der UNESCO wie ILO voraus. Damit war es zum ersten Mal gelungen, in einem internationalen Konsens den Status des Lehrberufs in der Gesellschaft und die Verpflichtung der Politik zur Sicherung ausreichender Arbeits- und Lebensbedingungen für PädagogInnen festzuschreiben. (1)

 

Das Ziel war klar: Für eine qualifizierte Bildung bedarf es qualifizierte Lehrkräfte, und diese müssen Unterstützung erfahren: „Lehrkräfte leisten einen unverzichtbaren pädagogischen Beitrag in den Bildungseinrichtungen und für die Gesellschaft. Das muss in mehr Wertschätzung und einer deutlich besseren Finanzierung des gesamten Bildungssystems sichtbar werden“, liest man beim Verband Bildung und Erziehung (VBE), der wie die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Mitglied der BI ist. Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern betont am (...) Weltlehrkräftetag die Notwendigkeit, den Lehrberuf attraktiver zu machen: „Nur so schaffen wir es, wieder mehr junge Menschen für den wunderbaren Lehrberuf zu gewinnen.“ (2)

 

Dass der Lehrberuf wenig begehrenswert in Erscheinung tritt, liegt an den schlechten Arbeitsbedingungen, die die Zukunft des Berufs überdenken lassen müssen: Die prekäre Beschäftigungssituation im Gesamtprogramm Sprache, in dem die DaFDaZ-Lehrkräfte tätig sind, bedarf dringend fairer und regulärer Strukturen unter tariflicher Bindung aller Beschäftigten im staatlich verantworteten Bereich und zwar entsprechend den Tarifen im öffentlichen Dienst. Als Gesamtprogramm Sprache versteht sich eine modulare Sprachförderung mittels Integrationskursen (ausgehend vom Bundesinnenministerium) und hierauf aufbauenden Berufssprachkursen (ausgehend vom Bundesarbeitsministerium) , welche vom BAMF administriert werden. „In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Sprache ist der Schlüssel zur Integration heißt es immer wieder. Warum sind dann fast alle Integrations- und Berufssprachkurse auf Honorarbasis beschäftigt? Die Dozent*innen hangeln sich ohne Kündigungsschutz von Vertrag zu Vertrag, erhalten keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und haben keinen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Ganz gleich ob für Geflüchtete oder EU-Bürger*innen, für nachgezogene Familienangehörige oder Fachkräfte: Sprachvermittlung und -förderung ist und bleibt eine Daueraufgabe und benötigt daher auch Dauerstellen mit guten Arbeitsbedingungen“, sagte Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) anlässlich der Aktion zum Weltlehrer*innen-Tag in Stuttgart. (3)

 

Am 5.Oktober 2023 protestierte der landesweite GEW-Arbeitskreis DaF/DaZ-Lehrkräfte unter dem Motto "Kein Gras über die Arbeitsbedingungen im Gesamtprogramm Sprache wachsen lassen: Schluss mit prekär - Branchentarifvertrag für die Erwachsenenbildung!" Die freiberuflichen Lehrkräfte machten mit dem Gras entwachsenden Blumen auf ihre schwierigen Arbeitsbedingungen aufmerksam. Jede Blume steht für eine Forderung wie bezahlter Urlaub, Honorarausgleich im Krankheitsfall, fair bezahlte Arbeitszeit. Gezeigt wurde auch, was am Ende des Tages vom ach-so-hohen Honorarsatz einer Honorarlehrkraft übrig bleibt: Ein Gehalt unter dem Mindestlohn.

Zum Weltlehrertag brachte der Deutschlandfunk zwei Beiträge: ein Interview mit Clarissa Haziri-Hagner (GEW, Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte) zur Lage im DaF/DaZ-Bereich und "Lehrer International".

(chh)

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