FAZ über Kürzungen bei Integrationskursen

Bild von congerdesign auf Pixabay
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Die FAZ veröffentlichte vor einigen Tagen ein ausführliches Interview mit einer Kollegin. In "Ein großer Schlag ins Gesicht" kommt vor allem die Perspektive der Lehrkräfte zum Ausdruck.

 

"Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stellt seit Ende November keine Berechtigungsscheine mehr aus für freiwillige Integrationskurse. Das gilt für Asylbewerber, Ukrainer, EU-Bürger, Geduldete. Insgesamt ist von 130.000 Personen die Rede, denen ein Kurs nicht mehr aus öffentlichen Mitteln bezahlt wird. Bevorzugt werden sollen laut dem Bundesinnenministerium künftig nur noch Flüchtlinge mit dauerhafter Bleibeperspektive. Ein Antrag der Grünen im Innenausschuss des Bundestags, den Kurswechsel rückgängig zu machen, scheiterte kürzlich an einer Mehrheit von CDU/CSU, SPD und AfD. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD noch angekündigt: „Wir wollen mehr in Integration investieren, Integrationskurse fortsetzen.“ (....)

 

 "Den Sprachkurs kann man sich gut vorstellen. Aber welche Orientierung geben Sie den Teilnehmern im „Orientierungskurs“?

Es geht um das deutsche politische System, also was ist der Bundestag, was ist der Bundesrat, wer wählt den Präsidenten, wer wählt den Bundeskanzler. Dann geht es auch um deutsche Geschichte, was viele sehr interessant finden und sie Deutschland besser verstehen lässt. Das ist natürlich auch Thema im Sprachkurs: Ich mache ihnen Mut, beim Bäcker zu bestellen. Ich mache ihnen Mut, zu einer deutschen Ärztin oder einem deutschen Arzt zu gehen. Ich animiere sie immer wieder, zu Elternabenden in der Kita oder in der Schule zu gehen. Ich animiere sie, zum Sportverein zu gehen oder die Kinder dort teilnehmen zu lassen. Ich erkläre, wie man in Deutschland Kindergeburtstage feiert, was man schenkt und was man nicht schenkt, was am Einschulungstag passiert und wie der Laternenumzug funktioniert. Ich erkläre den Advent und Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, und, und, und …

Sind Sie also so etwas wie eine Vermittlerin deutscher Kultur?

Ja, ich erzähle auch viel aus meinem Leben, ich erkläre, wie Hochzeiten, Geburten, Kindererziehung, Beerdigungen in Deutschland funktionieren, ich erkläre, wie Homosexuelle in Deutschland leben, ich erzähle von meinen Großeltern im Zweiten Weltkrieg, von Mitläufertum und Begeisterung für die menschenverachtende Politik der NSDAP. Ich ermutige meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ihre älteren Nachbarn nach ihren Fluchterfahrungen zu fragen, ich gehe mit meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern außerhalb der Kurszeit zum Weihnachtsmarkt und erkläre dort Dinge wie den Adventskranz, Bethmännchen, Räuchermännchen, Schneekugeln und Glühwein.

Was empfinden Sie dabei?

Ich habe den Eindruck, ich bin mit meiner jahrelangen Erfahrung nicht nur eine Tür zur deutschen Sprache, sondern auch zur deutschen Gesellschaft. Und ich erkläre meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wer was bezahlt, wenn man angestellt ist. Mit dem Gedanken im Kopf, dass das alles für mich leider nicht gilt.

Wieso nicht?

Wir Kursleiterinnen und Kursleiter arbeiten auf Honorarbasis, versichern uns selbst in der Rentenversicherung und bei Krankenkassen. In den Schulferien müssen wir freinehmen, unbezahlt." (....)

 

"Aber ist es sinnvoll, jemandem einen Integrationskurs zu bezahlen, wenn wahrscheinlich ist, dass er nicht in Deutschland bleiben kann?

Ich finde es gut und richtig zu überlegen, was man mit Steuergeldern macht, also auch prüft, wem man Deutschunterricht zukommen lässt und wem nicht. Man darf uns Kursleiter dabei aber nicht vergessen. Man könnte die Kurse auch mit weniger Teilnehmern laufen lassen. Wenn die Sicherheit, nach vier Wochen einen neuen Vertrag zu bekommen, wegfällt, wer soll, wer will dann noch Deutsch unterrichten? Wir machen sehr gute und sehr sinnvolle Arbeit, aber wir brauchen mehr Sicherheit und Anerkennung."