Fünf Jahre Berufssprachkurse

"Spracherwerb ist eine der tragenden Säulen der Integrationsarbeit" heißt es in der Pressemitteilung des BAMF zum fünften Jahrestag der Berufssprachkurse. Unten befindet sich zu diesem in der Tat wichtigen Jubiläum ein Kommentar des SprecherInnenteams des Bündnisses DaF/DaF-Lehrkräfte.

 

Den Migrantinnen und Migranten auch Kurse auf B2 und C1 anzubieten, war eine sehr gute Idee, denn die Integrationskurse gehen nur bis B1, was zu wenig ist, um einen guten Job zu finden oder eine Ausbildung zu machen. Unser Bündnis hat dies von Anfang an gefordert.

 

Zuerst hatten die Berufssprachkurse zu wenige Stunden, dann hat das BAMF auf die schlechten Bestehensquoten der abschließenden Prüfungen reagiert und das Stundenvolumen erhöht. Die Prüfungsergebnisse sind weiterhin nicht gut, aber leider veröffentlicht das BAMF hierzu keine Statistik mit den Ergebnissen. 

 

Warum sind die Ergebnisse nicht gut? Ein Grundproblem ist nach unserer Ansicht, dass die Teilnehmenden oft nicht wirklich das geforderte B1-Niveau haben. Das liegt vor allem daran, dass die Integrationskurse zu wenige Stunden haben, was nicht nur die Lehrkräfte so sehen, sondern auch der Bundesrat.

Der zweite Grund ist das niedrige Niveau der vor einigen Jahren neu eingeführten Prüfung DTZ. Dort kann man mit einem sehr schwachen Brief (unter A2) die Prüfung schaffen, wenn z.B. die mündlichen Leistungen sehr gut sind. Man wollte wohl bessere Statistiken haben und hat die alte Prüfung, die wirklich auf B1-Niveau war, durch eine leichtere ersetzt.

Ein ganz anderer Grund für die schlechten Prüfungsergebnisse bei der B2-Prüfung ist die Tatsache, dass das B2-Niveau sehr schwer zu erreichen ist. Der Sprung von B1 auf B2 ist nun einmal ein sehr großer, der auch oft nur zu erreichen ist, wenn sich die Teilnehmenden auch im privaten Umfeld in Kontakt mit der deutschen Sprache befinden. 

Angesichts dieser Grundprobleme ist es praktisch unmöglich, die in den Konzepten und Katalogen des BAMF enthaltenen 60 Groblernziele und 344 Feinlernziele zu erreichen. Dies wäre sogar unter optimalen Bedingungen sehr schwer. Es wäre besser gewesen, wenn an der Entwicklung der Konzepte auch bzw. mehr in den BSK aktive Lehrkräfte beteiligt gewesen wären. 

 

Trotz allem ist es sehr gut, dass es diese Berufssprachkurse gibt, denn sie ermöglichen weitere Schritte beim Spracherwerb, und diese sind notwendig, um die persönliche Integration zu verbessern und um Zugang zur Arbeitswelt in Deutschland zu erhalten, auch wenn man die schweren B2- und C1-Prüfungen nicht schafft.

Das BAMF sollte in engerem Austausch mit den Lehrkräften stehen, wie wir schon oft gefordert haben. Teilweise geschieht dies schon, aber oft werden die Anmerkungen und Einwände der Lehrkräfte, auch die des Bündnisses DaF/DaZ-Lehrkräfte, der Träger und Gewerkschaften ignoriert. So geschehen zum Beispiel bei der ZQ BSK, die in vielerlei Hinsicht wirklichkeitsfremd und eine Zumutung ist.

 

Im nächsten Jahr wird in den BSK eine neue Prüfung eingeführt: Deutsch-Test für den Beruf. Einerseits ist es positiv, dass die Prüfung berufsbezogen und praxisorientiert ist. Andererseits sehen wir es als problematisch an, dass z.B. die Prüfung "Deutsch-Test für den Beruf B2" fast ausschließlich berufsbezogene Themen enthält. Wir befürchten, dass dies dazu führen wird, dass die Verlage, deren Lehrwerke sich verständlicherweise an den offiziellen Prüfungen orientieren, die allgemeinbildenden Themen stark reduzieren werden. Wir sind fest davon überzeugt, dass solche Themen wie Kultur, Politik, Ökologie, Familie, Ethik, Religion, Technologie und Wirtschaft weiterhin in den BSK zu behandeln sind, denn ohne sie wird die Integration nicht gut gelingen. Zur Integration gehört nicht nur, dass man arbeitet, sondern auch, dass man Bürger*in ist. Wenn man bedenkt, dass die meisten Migrant*innen aus undemokratischen Ländern kommen, ist dies auch für die Zukunft der BRD von großer Bedeutung. Wir appellieren deswegen ans BAMF, in die neuen Prüfungen auch allgemeinbildende Themen einzubauen.

 

Ein wesentlicher Aspekt, der in alle Überlegungen zum Spracherwerb einfließen sollte ist jedoch Folgendes: Grundlage für jegliches Bemühen um eine bessere Integration durch Sprachkursangebote müssen faire Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte sein. Es ist leider üblich, dass man in den BAMF-Kursen in Festanstellung 40 UE (in Einzelfällen bis 50 UE) pro Woche, also bis 60 Stunden mit Vor- und Nachbereitung und anderen Aufgaben, für ca. 3000 € brutto arbeiten muss. Was dies für die Unterrichtsqualität und Gesundheit der Lehrkräfte bedeutet, liegt auf der Hand. Die Politik toleriert immer noch, dass den arbeitnehmerähnlichen Honorarkräften das Recht auf Urlaubsentgelt verweigert wird. Positiv ist anzumerken, dass in den letzten Jahren das Mindesthonorar zweimal wesentlich erhöht wurde. Das Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte hat in den letzten 6 Jahren einen großen Beitrag hierzu geleistet.

Aber ein Honorar von  41 € ist immer noch wenig im Vergleich mit den Einkommen im Schuldienst. In Festanstellung verdient man nur ca. 3000-3200 € brutto für 40 UE, also bis 60 Stunden, pro Woche. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt. Das Bündnis und die GEW fordern 64 € Mindesthonorar für Freiberufler*innen und E 12-13 für Festangestellte. Diese und weitere wichtige Forderungen sind klar und deutlich im Hamburger Appell der GEW formuliert, der immer noch unterschrieben werden kann. Hierzu möchten wir  hiermit gerne weiterhin auffordern!