Weltlehrer*innentag 2018



Während die Öffentlichkeit bei "Lehrer" meist an einen sicheren Job denkt, wollen wir am Weltlehrer*innentag auf die Existenz von prekären Lehrkräften hinweisen. In Berlin protestierten bereits seit vier Jahren Honorarlehrkräfte aller Fächer anlässlich dieses Aktionstags, 2017 schlossen sich auch die Kölner an. Die gewonnenen Erfahrungen greifen Kreidefresser und Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte auf, um 2018 weitere Städte einzubinden. Dabei wollen sie mit Honorarlehrkräften aller Fächer und Einrichtungen, befristet eingestellten Lehrer*innen ebenso wie mit Gewerkschaften zusammenarbeiten.

In den Städten können sich lokale Initiativgruppen mit dezentralen Protestaktionen beteiligen. Auf Bundesebene wurde eine Koordinationsgruppe eingerichtet, die die Proteste koordiniert und unterstützt. Auf beiden Ebenen sind weitere Mitstreiter*innen gern gesehen.


  • Aktion entwickeln und bewerben: Die Stadt muss in der Lage sein, Leute auf die Straße zu kriegen. Allerdings wollen wir auch Aktionsideen entwickeln, die mit mehr oder weniger Teilnehmern funktionieren, um den unterschiedlichen Organisationsgrad der Städte zu berücksichtigen.
  • Anmelden der Aktion (am einfachsten über die Gewerkschaft): Was ist der beste Ort in der Stadt?
  • Uhrzeit: Für Presse ist die Zeit zwischen 10 - 12 Uhr gut, für die Kolleg*innen nicht. Der 5.10. ist dieses Jahr ein Freitag. Wir freuen und über Ideen zur Entschärfung des Problems.
  • Aktive, die die Arbeit machen: aufbauen, Leute ansprechen, Aktivitäten anbieten, ggf. Musik, ..., Flyer verteilen, ...
  • Ansprechperson für Presse: Diese Person muss vorab eine Handynummer und E-Mail-Adresse angeben, unter der sie erreichbar ist, insbesondere am Tag selbst. Sie steht für alle Fragen zur Verfügung. Als Ansprechperson kann auch ein*e Vertreter*in der Gewerkschaften fungieren, aber es wäre natürlich authentischer, wenn es eine betroffene Lehrkraft ist.


  • Möglichkeit zum Austausch im Mitgliederforum
  • Werbung auf der Webseite und auf Facebook
  • Muster für einen Flyer
  • Muster für eine Presse-Einladung


1994 wurde der 05. Oktober von der UNESCO zum "Weltlehrer*innentag" erhoben. Dieser erinnert an die "Empfehlungen zum Status von Lehrer*innen" von 1966, in denen die UNESCO und die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) unter anderem vergleichbare soziale Sicherheit unter Lehrer*innen, Gleichbehandlung von Teilzeitkräften und Vermeidung von zu hohen Gehaltsspannen unter verschiedenen Lehrer*innengruppen anmahnen. Die Erklärung bietet also genügend Ansatzpunkte, um auf die Situation von Honorarlehrkräften aufmerksam zu machen.


Auszüge: "Empfehlungen zum Status von Lehrer*innen", ILO/UNESCO, 05.10.1966

"Das Recht auf Bildung ist ein Grundrecht, das jedes Kind und jeder Erwachsene besitzt.

Daher ist es ist essentiell, dass der Staat den wichtigen Status von Lehrer*innen anerkennt und fördert. Dies muss geschehen, um das volle Potential von Lehrer*innen auszuschöpfen, um ihre Anliegen und Ziele zu gewährleisten.
Lehren ist eine Profession, eine Form wichtigster Öffentlichkeitsarbeit, die spezifisches Wissen und spezielle Fähigkeiten erfordert. Durch ihre Tätigkeit tragen Lehrer in großem Maße zur Bildung der Gesellschaft bei und sollten daher eine angemessene Unterstützung des Staates erhalten.
Es ist im Interesse des Staates, die Gesellschaft und ihr Wachstum zu stärken. Eine gesunde und stabile Bildung zum Beispiel ist für die wirtschaftliche Lage eines Landes angesichts des Lebensstandards und der Arbeitsplätze dringend notwendig.
Für das gesamte Bildungssystem sollte eine hohe finanzielle Priorität festgelegt werden, um die soeben genannten Faktoren zu unterstützen.
Konstante Fortbildung, neue Wissensaneignung und neues Lehrmaterial sind enorm wichtig, um das Bildungssystem auf dem neuesten Stand zu halten und im internationalen Wettbewerb einen hochrangigen Platz zu behalten. Auch dies sollte finanziell unterstützt werden.

Im Falle einer Strukturveränderung der Institution Schule sollte eine sichere und komfortable Zusammenarbeit garantiert sein, um das Wohl aller Lehrer*innen und Schüler*innen zu schützen.

Lehrer*innen sollten nicht willkürlichen Handlungen ausgesetzt sein, damit ihre professionelle Arbeit nicht gestört wird.

Außerdem sollte der Staat und die Schulen den Status von Teilzeitarbeit anerkennen und dessen volles Potential realisieren. Dies beinhaltet, dass Teilzeitlehrer*innen dieselben Rechte und Ansprüche wie bei Vollzeitarbeit erhalten, wie z.B. bezahlten Urlaub oder Krankengeld.

Der Staat sollte für die Empfehlungen und Probleme der Lehrer*innen offen sein und sich bereit zeigen, diese in einem transparenten Dialog zu klären. Des Weiteren ist es wichtig, dass die Behörden die Kooperation verschiedener Lehrinstitute festigen.

Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung von Lehrer*innen sollten in Verhandlungen beider Parteien festgelegt werden. Da Lehrer*innen am besten wissen, wie die praktische Arbeit ihres Berufs aussieht, sollten sie einen großen Einfluss auf diesen Diskurs haben.
Die Bezahlung von Lehrenden sollte im Hinblick auf die wichtige soziale, politische und wirtschaftliche Arbeit, die sie leisten, angemessen sein. Verantwortung für das Wohl der Schüler*innen ist eins der wichtigsten Merkmale dieses Berufes und sollte dementsprechend entlohnt werden.

Die Bezahlung sollte sich an anderen Berufen orientieren, die ein ähnliches Format haben. Zur Förderung ihrer professionellen Qualifikation sollten Lehrende genug verdienen, um ihr eigenes Wohl und das ihrer Familien zu finanzieren.
Falls der reguläre Unterricht überzogen wird und extra Stunden anfallen, sollte dies ebenfalls angemessen entlohnt werden.
Außerdem sollten Faktoren wie eine Erhöhung der Lebenskosten etc. berücksichtigt werden.

Alle Lehrenden, gleichgültig an welcher Schule sie tätig sind, sollten die gleiche Sozialversicherung erhalten, welche an ihren Arbeitsumständen orientiert sein sollte.
Die Wichtigkeit dieser Regelung wird in der International Labour Organisation Social Security Convention von 1952 betont, als da sind Gesundheitsfürsorge, Krankengeld, Arbeitslosengeld, Altersruhegeld, Unfallversicherung, Familienzuschuss, Mutterschaftsgeld, Arbeitsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrente.
Um die angemessen Lebensweise aller Lehrenden zu erhalten, sollte sich die Rente an der Bezahlung während des Berufslebens orientieren."

Zusammenfassung

Kontakt

presse@dafdaz-lehrkraefte.de

Mitgliederforum

 

Wer macht mit?

Honorarlehrkräfte aller Fächer, von Volkshochschulen, Musikschulen oder Universitäten, oder befristet angestellte Lehrer*innen an Schulen.

 

Wo finden Aktionen statt?

- Hamburg

- Hannover

- Köln

- Weitere Städte sondieren noch. Wir freuen uns über weitere Beteiligung.

 

Links

- Empfehlungen zum Status von Lehrer*innen (UNESCO / IAO, 1966)

- UNESCO zum Hintergrund des Weltlehrertags

 

- www.kreidefresser.org, die Plattform für kritische Honorarlehrkräfte aller Fächer


Aktionsideen


Viele lokale Initiativgruppen haben bereits Aktionen durchgeführt. Einige davon, die sich für den Weltlehrer*innentag besonders eignen könnten, werden hier vorgestellt. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht! Bei Fragen können alle Gruppen über die Vernetzungskarte direkt kontaktiert werden!

Allgemeines zu den Aktionen

Pressekontakte: Von Vorteil ist es, schon jetzt die Augen offenzuhalten, welche Journalist*innen in den Zeitungen über die für uns interessanten Themenkomplexe schreiben und nach deren Kontaktdaten zu suchen.

 

Tipps zur Herstellung von Transparenten befinden sich im "Praxistipp: Banner malen"

 

Im Mitgliederforum können Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Wir sammeln auch weiterhin Aktionsideen, die auf dieser Seite veröffentlicht werden können.

 

Kontakt: presse@dafdaz-lehrkraefte.de

Köln, 05.10.2017: "Lehrkraft für'n Appl und 'n Ei"

Das Dasein als Honorarlehrkraft gleicht einem Glücksspiel. Deshalb hat die Kölner Gruppe ein Glücksrad aufgebaut. Zu gewinnen gab es leider nur 'n Appl oder 'n Ei - mehr ist für Honorarkräfte eben nicht drin...

Die Passanten konnten am Glücksrad drehen und erhielten entweder einen Apfel (gesponsert von der GEW Köln) oder ein Plastikei, in dem sich ein Los mit einem positiven oder negativen Ereignis befindet: "Du brichst dir das Bein. Sechs Wochen Einkommensausfall!" / "Jackpot, du bekommst einen Sommerkurs. So kannst du auch in den Sommerferien deine Miete zahlen."

Beteiligt waren VHS-Lehrkräfte aller Fächer sowie Honorarkräfte der Musikschule, welche das ganze musikalisch begleiteten.

 

Ihr braucht: Glücksrad, Lose, Äpfel und Plastikeier, ca. 10 Personen.

Mehr Info: Bericht, Aufruf an die Kolleg*innen, Presseartikel inkl. dem wunderschönem Foto "Rente im Eimer"

Kontakt: Honorarlehrkraefte-Koeln@gmx.de

Stuttgart, 18.11.2016: "Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!" / "Erste Klasse für alle!"

Die Aktion macht auf das unterschiedliche Einkommen von Lehrer*innen aufmerksam, indem sie "Vier Klassen" symbolisch darstellt: 1. Klasse Beamte, 2. Klasse angestellt, 3. Klasse befristet angestellt, 4. Klasse auf Honorarbasis.

Passend zu den vier "Klassen" stehen vier Sitzgelegenheiten von sehr unterschiedlichen Komfort bereit, vom gepolsterten Sessel bis zur umgedrehten Sprudelkiste. Passant*innen können Lose in der "Lehrerlotterie" ziehen, auf dem Stuhl der gezogenen Klasse Platz nehmen und sich über ihr zukünftiges Gehalt aufklären lassen.

 

Ihr braucht: Kontakt zu Lehrer*innen der verschiedenen Vertragsformen, vier Sitzgelegenheiten und entsprechende Transportmöglichkeiten (!), Banner/Plakat, Lose, überdachten Ort als Plan B bei Regen, ca. 10 Personen.

 

Mehr Info: Zum Bericht und Video

Anmerkung: Die Aktion ging von der Personengruppe Arbeitnehmer*innen in der GEW aus. Die Gruppe war sofort offen dafür, auch Honorarkräfte zu beteiligen, allerdings entstand der Kontakt erst in letzter Minute, so dass die Plakate bereits geschrieben waren.

 

Kontakt: daf-dozi_stuttgart1@web.de

Demonstrationen

Demonstrationen und Kundgebungen sind sicherlich der Klassiker unter den Protestformen. Sie entfalten ihre Wirkung aber nur dann, wenn genügend Lehrkräfte mitlaufen. Unter dieser Voraussetzung bestehen aber Chancen, dass sich Medien für euch interessieren. Demonstrationen sind daher nur für gut organisierte Gruppen empfehlenswert.

 

Leitfaden

Der Bonner Offene Kreis hat einige Tipps und Erfahrungswerte zusammengefasst:

Leitfaden zur Organisation einer Demo (pdf)

 

Beispiele

  • Osnabrück, 15.03.2016 - Der die das kostet was!
  • Düsseldorf/Berlin, 09.03.2016 - Lehrer wie Lehrer bezahlen! / Prekär ist nicht fair / Für bessere Arbeits- und Lernbedingungen im Integrationskurs und überall - zum Radiobericht / zum Video
  • Hannover, 01.03.2016 - Sprache ist der Schlüssel zur Integration / Profis gibt es nicht umsonst. zum Fernsehbericht / zum eigenen Video, die Rede ist ab Minute 7:22 zu sehen